Martinho da Vila

   

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Stellvertretend für viele Sambistas Rios haben wir für diese CD Martinho da Vila ausgewählt, der trotz seines nun schon 20 Jahre dauernden Erfolges in Brasilien ein echter Sambista geblieben ist.

Martinho da Vila - Meu Samba Feliz Er ist nach wie vor in seiner Sambaschule Vila Isabel aktiv, lebt in der Vila und mit den Vila-Nachbarn. Was mir besonders an Martinho da Vila gefällt, ist seine Singweise. Er schleift einmal die Wortsilben scheinbar völlig losgelöst vom Takt und bettet ein andermal die Worte so perfekt in den Samba-Takt ein, dass allein sein Gesang einen unglaublichen Swing hervorbringt. Und dann begeistert mich noch Martinhos Offenheit für andere musikalische Formen seiner Heimat und Afrikas.

"Wer auf dem Morro lebt", sagt man in Rio, "lebt näher zum Himmel, zu Gott, zum Paradies und zum Inferno." Brasiliens großer Poet Vinicius de Moraes widmete sein bekanntestes Werk "Orfeu Negro" diesen Menschen der Morros und ihren Favelas, die zwischen Liebe und Gewalt leben. "A Voz do Morro", die Stimme vom Hügel, bedient sich des Samba, um sich Gehör zu verschaffen: Spott, Witz, Sex, Kritik und Historie im Samba-Rhythmus für Nachbarn und Freunde im Stadtviertel.

Der Samba der Morros hat Tradition, ist über 80 Jahre alt, geht auf Liedformen der afrikanischen Sklaven in Brasilien und auf deren Mischformen mit europäischer Musik zurück.

Der Samba der Morros war eine exklusive Domäne der Morro-Bewohner in und um die Favelas an den Hängen der Berge Rios, bis Radio und Schallplatte aufkamen und deren Betreiber Sambastars aus ihren eigenen bürgerlichen Kreisen aufbauten. Den Carnaval aber haben die Bewohner der Morros stets als ihre Plattform halten können, wenn auch dessen Management und Kontrolle in die Hände von Syndikaten, Organisationen und Business geriet. Aber die Gestaltung des Carnaval hat die Samba-Schulen am Leben erhalten, hat ihre Kreativität Jahr für Jahr gefordert.

Dennoch: der Carnaval ist die Ausnahme - Samba und Sambaschule sind für sie wichtiger im Alltag, besonders an Wochenenden, an denen man sich auf der Quadra der Schule trifft, um miteinander zu reden, zu singen und zu trinken. Sie ist ein Nachbarschaftsclub mit hierarchischer Rangordnung mit Präsidenten und Direktoren. Kreatives Zentrum aber ist der Sambista, sind die Bambas und die Musiker. Ihr Metier ist nicht der lärmende, breit angelegte Samba-do-Enredo (Umzug), sondern der solistische Samba-Canção oder der Samba-de-Partido-Alto, den der Sambista oft mit der Gitarre vorträgt, begleitet von ein paar Perkussions-Instrumenten und im Vers-Refrain-Wechsel von den Zuhörern mitgetragen.

Parallelen zum nordamerikanischen Blues drängen sich auf, zu Liedermachern unserer Tage: Der Sambista ist Sprachrohr der Gemeinschaft, in der er lebt.

Martinho da Vila umgibt sich bei all seinen LP-Aufnahmen mit den besten Musikern Rios, und das macht die sonst oft beim Samba eher stiefmütterlich behandelte musikalische Begleitung äußerst hörenswert.

Meu Samba Feliz enthält 13 Titel, die aus den LPs der Jahre 1969 -1982 zusammengestellt wurden, um Martinho da Vila mit einem möglichst breit gefächerten Repertoire dem hiesigen Publikum erstmals vorstellen zu können.

Claus Schreiner

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