Capoeira Mata Um - The Rhythm Of Bahia And The Sound Of The World

VERGRIFFEN
Original Toques der Capoeira
gespielt von Musikern in Bahia in Top Sound Qualität und neu arrangierte und aufgenommene Versionen von worldmusic, Jazz und Pop Musikern wie Lourimbau (Bahia), Eval Manigat (Haiti), U-Cef (Marokko), Tchando (G.-Bissau), Ba Mamour (Senegal), Marco Schneider (Rio), Claus Jaeke (Bahia), Albert Mangelsdorff und Inuka

Das Capoeira Projekt von Tropical Music

Capoeira Mata Um

THE RHYTHM OF BAHIA & THE SOUND OF THE WORLD


Capoeira Mata Um - The Rhythm Of Bahia And The Sound Of The WorldTOQUE DE ANGOLA, IUNA, SAO BENTO GRANDE, SAO BENTO PEQUENO; SANTA MARIA, JOGO DE DENTRO, CAPOEIRA REGIONAL, CAVALARIA

76 Minuten / Booklet 24 S.
Engl. mit ausf. Info / Liedtexte port./engl. / Fotos

 

 

CD 68.816  

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Informationen zur CD
Capoeira Mata Um - das ist eine Redensart in Bahia, die vieldeutig ist: Capoeira bringt einen um - das ist die kämpferische Seite . Die andere: Capoeira ist zum Sterben schön! Zum ersten Mal erscheint am 6.Juni eine CD, die es so selbst in Brasilien nicht gibt: authentische Musik der Capoeira und Capoeira-Rhythmen mit modernen Klängen zwischen Worldmusic, Jazz und Dance.


Die Idee I Capoeira I Capoeira original I Capoeira regional I Capoeira mundial
O Jogo I The music I The toques


Die Idee

Tropical Music presents The Capoeira ProjectAm Anfang stand die Idee, einmal die Musik der Capoeira mit exzellenten Musikern unter optimalen Studiomöglichkeiten aufzunehmen. Die große Klangfülle verschieden großer, in unterschiedlichen Funktionen gespielter Berimbaus sollte zusammen mit den Perkussionsinstrumenten im Vordergrund stehen. Dazu die Gesänge mit den Ladainhas und Quadras.

Claus Jäke, mit dem zusammen ich schon 1994/95 die CD Anthologie 'Conspiração Baiana' (Tropical Music 68.970) realisiert hatte, recherchierte mit seinem Team in Salvador die authentischen Toques, ihre gebräuchlichsten Tempi, Spielweisen, Instrumentierungen, Lieder und Texte. Wir trugen zusammen was es bereits an Capoeira Aufnahmen gab und wussten gleich, dass wir es eigentlich ganz anders machen wollten. Wir wollten keine semi-ethnologische Feldstudie, wir wollten Capoeira-Musik zum Hören, Fühlen, Erleben und Tanzen im Jahr 2001.

Das bedeutete einerseits absolute Echtheit der aufgenommenen Toques, andererseits wollten wir den Gesang zwar auch authentisch aber auch gesanglich optimal einspielen. Dafür mussten gute Sänger her und die üblicherweise unisono oder nur zweistimmig gesungenen Chöre in verschiedene Stimmen gesetzt werden - was für bahianische Musik ungewöhnlich ist.

Im Zuge unserer Recherchen betraten wir über das Internet auch eine Welt der Capoeira, die sich außerhalb Brasiliens abspielt. Es überraschte uns zu entdecken, wie viele Menschen überall auf der Welt bis ‚downunder´ zum Bondi-Beach Australiens Capoeira entweder wegen seiner tänzerisch-spirituellen oder seiner kämpferischen Anteile aktiv ausüben.

Es wurde uns klar, dass wir somit auch die Musik der Capoeira im Jahr 2001 nicht allein auf Salvador/Bahia beschränken konnten. Capoeira ist ein mundiales Phänomen geworden. Das reizte uns, zusätzlich Musiker aus verschiedenen Kulturkreisen aufzufordern, die musikalische Originalsprache der Capoeira um ihren eigenen Dialekt zu ergänzen, wobei wir zur Bedingung machten, dass der Toque, der Grundrhythmus, nicht verändert werden dürfte. Die CD sollte von Anfang bis Ende auch ‚brauchbar´ für den tanzenden Capoeirista sein.

Es gibt in der brasilianischen Musik einige wenige Beispiele von gelungener Umsetzung von Capoeira in die Popmusik. Vinicius de Moraes (Text) und Baden Powell (Musik) erfassten in einem ihrer Afrosambas mit dem Titel ‚Berimbau´ nicht nur musikalische sondern auch inhaltliche Wesenszüge der Capoeira. Musiker wie Edu Lobo haben Zitate der Capoeira in ihren Liedern untergebracht (z.b. in Upa Neguinho). Jair Rodriguez machte (1972 ) ‚Zum Zum Zum Capoeira Mata um´ zu einem Riesenerfolg und Caetano Veloso verhalf (1969 ) dem Samba da Capoeira-Volkslied ‚Marinheiro So´ zu neuer Blüte. Allgemein ist und war die Capoeira kein Thema für die Música Popular Brasileira, denn ihr Rhythmus ist zwar durchaus ‚tanzbar´ und groovend, lässt sich aber nicht in die gängigen Raster von Samba bis Bossa und anderen Grooves pressen. Der Klang der Berimbau´s ist hingegen auf vielen Produktionen zu hören und bei Musikern wie Nana Vasconsello, Airto oder Dino Nascimento in viele wunderbare Produktionen eingeflossen. Berimbaus und Capoeira-Rhythmen spielen schließlich gelegentlich eine Rolle in Latinjazz, electricbeat oder Hiphop und Breakdance nahen Musikformen.

Diese globale Welt der Capoeira auf einer einzigen CD unterzubringen ist sicher unmöglich und doch wagen wir diesen Versuch. Mangels kommerzieller Aspekte würde es keinen Sinn machen, sich mit hiphop-gesampelten Versionen bei einem bestimmten Publikum anbiedern zu wollen. Aber es erscheint mir durchaus lohnenswert, die Kraft und Poesie der Capoeira Musik auch in musikalische Ausdrucksformen unserer Zeit zu übertragen ohne dabei den Boden unter den Füßen, sprich den Toque, zu verlieren,. Ob wir nun dazu Capoeira Figuren absolvieren, einfach abtanzen, kontemplativ in uns Ying und Yang eine ginga beginnen lassen oder nur einfach Körper und Seele in ein wunderbares ‚balanco´ bringen: Capoeira mata um!

(table of contents)


Capoeira

Die Capoeira ist eine Jahrhunderte alte Kunst der Afrobrasilianer. Sie ist Kampf und Tanz, Poesie und Musik, Ästhetik und Schönheit, Meditation und Spiritualität. Piero Onori beschreibt in seinem sehr einfühlsamen und empfehlenswerten Buch ‚Sprechende Körper’ die zentrale Philosophie der Capoeira, die sich im Wort ‚malicia’ als ‚List’ und ‚Verschlagenheit’ nur schlecht wiedergeben ließe: " Mit malicia bezeichnet der Capoeirista die Sicherheit des tierischen Instinkts, der sich mit geistiger Klarheit zu befreunden weiss." Je besser seine malicia ausgeprägt ist, desto besser kann er die Manöver seines Gegners voraussehen und dessen Schwächen erkennen. Denn die "Capoeira hebt ihre Anhänger nicht über, sie stellt sie in die Wirklichkeit." Deshalb beginnt ein Jogo, wie man den Tanz nennt, immer nach der Aufforderung des Mestre: E Volta pro mundo, camara! – He, komm zurück in die Welt, Kamerad!

Capoeristas jumpingCapoeira ist Plattform für solistische Führungsansprüche beim Spiel des Berimbau wie im Tanz selber. Sie ist aber noch mehr gemeinschaftliches Handeln und gegenseitiges Vertrauen aller Beteiligter innerhalb einer Roda. In der friedlichen spielerischen Capoeira vertrauen die Capoeiristas darauf, dass der ‚Gegner’ den letzten Zentimeter Abstand zwischen dessen Füßen und seinem Körper stets einhält. Beide vertrauen dem Mestre mit seinen Musikern, die das Geschehen musikalisch leiten. Daraus wächst Selbstvertrauen.( Dies erinnert mich in gewissem Umfang an das Spannungsdreieck des Flamenco gitano andaluz: Der Mestre ist hier der Cantaor/die Cantaora, deren Gesang von den Gitarren aufgefangen und von den Bailaores umgesetzt wird.)

Capoeira ist Solo, Duo, Gruppe und Schule. Jeder Capoeirista nennt stolz seinen Mestre, seinen Lehrer. Musiker und Capoeiristas sind eine Gemeinschaft um den Mestre herum wie man sie in den Terreiros des Camdomble findet, die von den schwarzen Priesterinnen und Priestern geleitet werden. Seit Mestre Bimba die traditionelle Capoeira de Angola um seine Spielart der Capoeira Regional ergänzte und seit Capoeiristas und Mestres sich in New York, Montreal, Paris , Berlin oder Sidney niederließen und viele Schüler ausbildeten, gibt es auch Anzeichen von Capoeira-Ideologien und Intoleranz in verschiedenen Schulen und Zentren.

(table of contents)

Capoeira original

Es gibt keine Beweise dafür, dass die Capoeira aus Afrika nach Brasilien gelangte. Es spricht aber vieles dafür, Ihren Ursprung im heutigen Kongo/Angola Gebiet zu suchen. Musiker aus Brasilien und Angola können zwar angolanischen Semba und brasilianischen Samba zu einem gemeinsamen Song vereinen, sie könnten aber miteinander keine Capoeira tanzen und spielen, denn in ganz Afrika sucht man ein Pendant vergeblich. Für die angolanische Herkunft sprechen das Berimbau und die Trommeln, die zwischen Solosänger und Chor gesungenen Verse und eine gewisse Verwandtschaft zu dem was unter dem Stichwort Batuque (portugiesisch Umbigada) als Mitbringsel der Bantu Kultur aus dem Kongo ein Grundschema afrikanischer Tänze überall ins östliche Lateinamerika zwischen Kuba und Montevideo mit den Sklaven importierte: Ein Kreis aus Musikern, Sängern und Chorsängerinnen und Sängern und Händeklatschenden Zuschauern, in dessen Mitte man sich tänzerisch-solistisch oder im Wettbewerb produziert, bis man durch eine Berührung eines anderen an der Hüfte diesem anzeigt, er sei nun an der Reihe. In Brasilien ist dieses Prinzip bis heute im Samba und unzähligen Formen afrobrasilianischer Folklore bis hin zu szenischen Volksspielen assimiliert.

Capoeira taucht in Brasilien zum ersten Mal nachweislich in den Chroniken auf, nachdem die größte Siedlung und Widerstandszentrum (Quilombo) entlaufener Sklaven, Palmares, nach fast 100 jährigem Kampf gegen Holländer und Portugiesische Kolonialmacht 1695 mit der Ermordung des Anführers Zumbi gefallen war. Zumbi wie sein Vorgänger Ganga-Zumba gehörten zu den Nago (Bantu/Angola) Afrikanern, und Capoeira wurde vermutlich in Palmares aus alten afrikanischen Traditionen entweder wiederentdeckt oder aber als Kampftechnik entwickelt. Lange Zeit wurde die Capoeira in harter Manier auch mit Messern ausgetragen - als der Tanz eher der Tarnung härteren Geschehens diente, und als ‚Capoeiro’ schimpfte man in manchen Teilen Brasiliens Strolche und Banditen. Die Obrigkeit tat sich schwer mit diesem Volkssport, dem die Verbindung zu den Quilombos, Geheimbündelei und Widerstand weiterhin anhing.

Einiges aus dieser Zeit steht in Chroniken, manches wurde bildlich festgehalten: zwischen 1816 und 1831 entstand eine Zeichnung des Franzosen Debret, die zwei Musiker mit Berimbau und Balafon (Mbira) zeigt und der Künstler Rugendas zeichnete 1824 Capoeiristas mit geballten Fäusten ohne Berimbau.

Obwohl in den Krieg gegen Paraguay auch Capoeiristas eingezogen wurden, kam es 1890 doch zum Verbot der Capoeira. Doch, wie die zu dieser Zeit in den Städten schon allerorts reichlich knospende afrobrasilianische Kultur zeigte, war seit Einfuhr der ersten Sklaven durch Verbote immer nur ein Erstarken des Verbotenen erreicht worden. Besonders in Rio de Janeiro entwickelte sich die Capoeira inmitten erstarkender schwarzer rivalisierender Sklavenbünde einerseits und zunehmender Straßenkriminalität schwarzer Gangs andererseits. Sie spielte eine Rolle in politischen Ränken ebenso wie in den Auseinandersetzungen rivalisierender Gangs. Berimbaus gab es dabei nicht, nur Gesang und Trommeln. Wenig muß den Chronisten nach an die heutige Capoeira erinnert haben.

In Bahia nennt die Capoeira Geschichte Manuel Henrique, den Besouro, als ihren Mythos, dem Mestre Pastinha (1889-1981) und Mestre Bimba (1900-1974) folgten. Beide Mestres kamen mit der Capoeira in einer Zeit in Berührung als die des Verbotes wegen nur im Untergrund ausgeübt wurde.

Es war Mestre Bimba zu verdanken, dass sich um 1937 die Kommunal-Politiker vom Wert der Capoeira überzeugen ließen und der 1932 von Bimba gegründeten Academia da Capoeira in Salvador eine offzielle Erlaubnis erteilten. Trotz wechselhafter Standpunkte der Behörden öffneten nach und nach (offiziell) weitere Capoeira Institute und inzwischen hat eine Stadt wie Salvador da Bahia der Capoeira eine weitere Bedeutung abgewonnen. Sie bietet Kindern und Jugendlichen auf Plätzen Capoeira zum Lernen und Mitmachen an, um der unüberschaubaren Zahl der Straßenkinder entgegenzuwirken.

Aber auch dies ist wie so vieles in Brasilien am nächsten Tag ganz anders und es gibt auch schon per Internet internationale Solidaritätsaufrufe für Capoeira Academias in Salvador, die von offizieller Förderung ausgenommen und geschlossen werden sollen. Bahias großer Schriftsteller Jorge Amado nannte Mestre Pastinha eine der großen Figuren des öffentlichen Lebens von Bahia. Und trotzdem musste der schon fast erblindete Pastinha 1973 aus seinem Haus im historischen Viertel Pelourinho wegen der bevorstehenden Sanierung weichen und seine 1941 eröffnete (Capoeira de Angola) Academia schließen. Weitere berühmte Mestres von Salvador sind Mestre Waldemar, Mestre Caicara und Mestre Ezikiel.

(table of contents)

Capoeira regional

Capoeira ist in Brasilien eine Volkskunst, die allen Bevölkerungsschichten offen steht. Sie kam als Capoeira de Angola aus den Quilombos u.a. nach Rio, Sao Paulo, Recife und Salvador da Bahia und hat im 20.Jahrhundert besonders in Bahia im spirituellen Umfeld des ‚Schwarzen Rom’ sein Zentrum herausbilden können.

Capoeira schoolIn Rio und Sao Paulo, wie auch in vielen anderen brasilianischen Städten, gibt es ebenfalls Academias. Früher gab es in Rio auch eine Art vereinfachter Capoeira de Perna (Pernada), in der in einer Roda des Batuque die zum Tanz ausgewählte Person nicht mit der Hand am Gürtel oder Hüfte berührt wurde, sondern mit dem Fuß gegen das Bein angestoßen wurde.

Verwandt mit der Capoeira ist wohl auch der Maculelé, den besonders die Kinder als kämpferischen Stocktanz innerhalb ländlicher szenischer Volksfeste wie Caboclinhos und Cucumbis vorführen. In Recife trugen Capoeira Gruppen zum Entstehen des Frevo Tanzes bei, nachdem sie über Jahrzehnte immer inmitten der Militärorchester im Umzug des Carnaval mitgezogen waren. Irgendwann einmal muß der synkopische Funke der Capoeiristas auf die Maxixe und Marsch spielenden Orchester übergesprungen sein. Es entstand eine lebhafte Marschpolka mit typischen Synkopierungen der Capoeira Toques. Choreographie und Körperlichkeit dieses Frevo sind sehr akrobatisch und nur der ‚Passo’ (Grundschritt) des Frevo wird als der Ginga der Capoeira nahe gesehen.

In Rio war Mestre Bimba mit asiatischen Kampfsportarten in Berührung gekommen, von denen er Elemente in seine Capoeira einfließen ließ, um sie für die Jugend noch attraktiver zu machen, denn er hatte die Erlaubnis für seine Academia u.a. deswegen bekommen, weil er die Educao Fisica, die (altdeutsche) Leibeserziehung der Jugend in Aussicht gestellt hatte. Mestre Bimba hatte auch großen Zuspruch, weit über Brasiliens Grenzen hinaus. Seine Capoeira Regional genannte Spielart wird heute besonders außerhalb Bahias als Alternative zur originären Capoeira de Angola angeboten. Gegenüber dieser zeigt sich die C.Regional als kampforientierter, offener für neue Einflüsse, moderner in jeder Hinsicht.

(table of contents)

Capoeira mundial

Wesentliche Merkmale der Capoeira sind in Tanz und Musik verankerte Polaritäten zwischen Struktur und Improvisation. Ferner Gemeinsamkeiten im afrobrasilianischen rituellen Umfeld sowie die Bedeutung von Hierarchie und solistischer Leistung einerseits und der Zwang zu Gruppe und Einordnung andererseits. Im Instrumentalen Spiel sind diese Merkmale bereits angelegt und durchaus verwandt mit Strukturen von Jazz oder Rock. All dies öffnet die Capoeira und ihr Umfeld auch Musikern anderer Kulturbereiche. In unserem Zusammenhang erwiesen sich diese Begegnungen sogar als vielschichtiger, denn die Nicht-Brasilianer leben fast alle nicht mehr in ihren Heimatländern und bereits neue Wurzeln in verschiedene Böden zeitgenössischer Popmusik geschlagen.

Alle eingeladenen Musiker hatten völlige künstlerische Freiheit mit einer Ausnahme: der Rhythmus der Toques durfte nicht verändert werden und dafür wurden ihnen die Originalspuren der traditionellen Toques unserer Aufnahmen zur Verfügung gestellt.

So kam es zur Begegnung von Capoeira aus dem Umfeld des afrokatholischen Candomblé Ritus mit urbanen Gnawa Strukturen durch den in London lebenden Marokkaner U-Cef. Die Gnawas sind die Nachfahren schwarzer Sklaven aus Mali und Guinea in Marokko. Sie spielen ihre Musik zu Riten, in denen Geister und Dämonen als heilende Kräfte auftreten. Die dem Haitianischen Vodou Ritus nahestehenden Riffs der Rara-Vaccinen aus Bambusrohren begegnen wir beim in Montreal lebenden Eval Manigat.

Salvador war vor Rio und Brasilia die erste Hauptstadt Brasiliens. Nach der Sklavenbefreiung 1888 kamen viele Afrobahianer nach Rio und bildeten hier zusammen mit ihren Schicksalsgenossen aus der Cidade Maravilhosa und den Flüchtlingen aus dem armen Nordosten ein kreatives Potential, dem Rio seine Musik wie Samba und Choro verdankt. Der junge Carioca Marco Schneider steuert seine Vision einer Begegnung von Cuica (Rio) und Berimbau (Salvador) in seinem City-Manguebeat bei. Die afrikanischen Wurzeln der Capoeira gehen zwei afrikanische Musiker auf recht unterschiedliche Weise an: der in Belo Horizonte in Brasilien lebende Senegalese Ba Mamour verbindet Capoeira mit moderner afrikanischer Polyphonie und der in Dänemark lebende Tchando aus Guinea Bissau entschloss sich zu einer schwarzen drums&bass Version.

Zwei junge Musiker aus der Gegend von Bremen zeigen, dass der Spirit der Capoeira auch in samplings nicht verloren geht und für die hohe Kunst der Improvisation innerhalb der Strenge des Berimbau-Toques gab es keine bessere Wahl als den Jazzmusiker Albert Mangelsdorff.

Claus Jaeke schließlich, hat für alle Aufnahmen der Capoeira Mundial nicht nur die files und playbacks aus unseren Originalaufnahmen herausgefiltert, er hat auch selbst zwei remixes beigesteuert.

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O Jogo

Im Vergleich zu afrobrasilianischen Riten wie dem Candomblé ist der Jogo de Capoeira kein Mittel um in andere Bewusstseinsebenen zu gelangen. Götter und Geister nehmen von den Capoeiristas nicht Besitz, um sich über sie der Gemeinde für Wünsche zur Verfügung zu stellen. Der Mestre (in manchen Gruppen auch Capitao oder Governador genannt) ist zwar der Zeremonienmeister, aber er ist kein Kultchef, dem sich alles unterzuordnen hat. Die Tänzer korrespondieren durch ihre Körpersprache mit dem Rhythmus der Musik und können durchaus vom Mestre mit dem Berimbau geplante oder begonnene Toques beeinflussen. Der Rhythmus ist die allen gemeinsame Kraft, die aus der Natur über den Jogo allen Beteiligten zugute kommt.

Capoeira schoolEin Jogo beginnt oft mit einem Begrüßung-Chula vom Vorsänger. Danach folgt die Ladainha im Wechselgesang zwischen Vorsänger und Chor, begleitet von Berimbau, Tamburim, Atabaques und anderer Perkussion. Erst dann kommen die Capoeiristas in die Roda (Kreis), die sie von der Seite betreten. Der Mestre gibt ein fast unmerkliches Zeichen und die Capoeiristas kommen zum ‚Pe do Berimbau’ Ritual, indem sie vor dem Mestre (mit dem Berimbau) den Boden mit den Händen berühren und sich danach die Hände schütteln (Preconceito). Manch einer verrichtet auch noch eigene Rituale, ruft Schutzheilige wie Salomao an.

Währenddessen wird die Ladainha vom Toque Angola begleitet, der zum Ende hin schneller wird und mit dem Grito de Angola (Iee, Volta do mundo Camara!) gehen die Capoeiristas in die erste Phase des Jogo lente de Angola. Nacheinander absolvieren die Capoeiristas die von den Musikern vorgegebenen Figuren zu bestimmten Toques. Zwischendurch können durchaus Auszeiten genommen werden (dann gehen sie kreisförmig in der Roda herum) , die mancher Capoeirista zu artistischen Soloeinlagen nutzt. Der Berimbau kündigt mit einer Chamada das Ende des Jogos an sobald die Tänzer dies signalisieren. Will ein anderer Tänzer we
itermachen, muß er den Jogo beim Mestre ‚kaufen’ (comprar jogo) und es beginnt wieder mit dem ‚Pe de Berimbau’.

Die wichtigsten Figuren der Capoeira de Angola

Ginga = Bewegung im Stand – im Dreieck / tänzerisch / Austarieren des Gegners /Schaukelartiges Hin-und Her
Negativa = Bewegung am Boden / Rolê = Bewegung vom Boden nach oben
= Bewegung mit dem Kopf nach unten / Radschlag
Esquivas = Verteidigungsbewegungen wie Cocorinha (Hocke), Resistencia (Widerstand)
Tritttechniken: Meia-Lua de Frente (Halbmond vorwärts), Armada (Flotte) , Queixada (Kinnlade) u.s.w.
In der Regional gibt noch die Sequencia von Mestre Bimba, in der jeweils eine Folge von Bewegungen kombiniert wird.

(Quelle: Nestor Capoeira : Capoeira / Weinmann Vlg.)

(table of contents)

Die Musik

m Mittelpunkt steht der Berimbau. Oft werden zwei oder mehr Berimbaus gleichzeitig gespielt. Dabei spielt dann ein Musiker den Grundbeat (marcacao basica ) und der zweite improvisiert oder verdoppelt den Rhythmus. Klanglich unterscheidet man zwischen der Violinha (sehr hohe Tonlage), Viola (hohe Lage / solistisch) und der Gunga (mittlere Lage) bzw. Berra-Boi (tiefe Lage). Berimbaus mit besonders großer Kalebasse nennt man Urucuca. Der Berimbau gehört in die Familie der Musikbögen afrikanischer Herkunft. Verwandte von ihm findet man in Angola, Kuba und Burindi. Berimbaus werden aus Ruten der Aracá, Gobiroba und Biribá Bäume geschnitzt, an deren oberen und unteren Ende eine Stahlseite befestigt wird, die sich die Mestres (die ihre Berimbaus selbst bauen) oft aus den Aschehaufen verbrannter LKW Stahlgürtelreifen fischen. Über Saite und Bogen wird mit einer Schlaufe mit der Öffnung (cucumba) zum Körper des Spielenden hin eine hohle Kalebasse befestigt. Ihre Position auf dem Bogen entscheidet über die Tonhöhe der Saite, die durch sie in zwei verschieden große Hälften unterteilt wird.

Capoeiristas dancingDer Spieler greift mit der linken Hand knapp über der Kalebasse um den Bogen wobei der kleine Finger die Schlaufe umgreift und zwischen Daumen und Zeigefinger eine Münze gehalten wird. Diese Münze wird beim Spielen gegen die Saite gedrückt und wieder weggezogen. Mit der rechten Hand hält der Spieler zwischen Daumen und Zeigefinger ein ca 30 cm langes Stöckchen (Baqueta) , mit dem er über oder unter den durch die Münze regulierbaren Klanganschnitt auf die Saite schlägt. An der rechten Hand (meist über den kleinen Finger) hängt der Caxixi, ein kleines Weidenkörbchen mit Samen darin. Zwischen den Schlägen auf die Saite vollführt der Spieler ein oder zwei kurze Gegenbewegungen mit der rechten Hand und bringt damit den Caxixi ins Spiel.

Entsprechend der Vielzahl afrikanischer Musikbögen gibt es zahlreiche afrikanische Worte für Berimbau ist Urucungo, Humbo oder Bucumbumba. Berimbau heißt auch die Maultrommel in portugiesischer Sprache. Der nasal-schwirrend-scheppernde Klang des Berimbau wird oft mit der menschlichen Sprache verglichen: der Berimbau spricht durch den Mund der Kalebasse. Seine Stimmbänder sind Saite und Münze. Im Norden Brasiliens gibt es Variationen des Berimbaus: das Berimbau-de-Lata bei dem eine Stahlseite zwischen zwei Blechbüchsen gespannt ist und die Tonhöhe durch Bewegen eines Flaschenhalses beim Schlagen verändert wird.

Weitere Instrumente sind Reco-Reco (Ratsche ), Chocalho (Schüttelrohr), Agogo (zweiglockige Metallperkussion), Pandeiro (Handtrommel mit Schellen) und Tamburim und Atabaque (hohe, tiefe afr.Trommeln)Die Lieder des Jogo sind afrobrasilianisch, d.h. Singweise, Intonation und Wechsel zwischen Vorsänger und Chor sind afrikanischen Ursprungs während Versformen und Melodik auch portugiesische Züge tragen. Während des Jogo wird eigentlich nicht gesungen. Ladainhas preisen vor den Tänzen die Herkunft der Capoeiristas, ihre Mestres und andere Bezüge.

In der Capoeira regional sind dies Quadras. Bis zum Beginn des eigentlichen Jogo hört man auch die schnelleren Chulas. Es gibt Lieder, in denen gespöttelt und gereizt wird, und hier gibt es Parallelen nach Trinidad, wo Ende des 19.Jahrhunderts aus den bissigen Liedern der Stickfight Kombattanten die Calypsoes entstanden.

Es gibt viele Capoeira Liedtexte, unzählige für jeden der Toques. Das liegt daran, dass sie Freiraum bieten für individuelle Ausschmückungen und regionale Bezüge. Sogar aktuelle Kommentare zum Geschehen in der Roda können in Anfeuerungen oder Hohn eingeflochten werden.

(table of contents)

Die Toques

Die Rhythmen bewegen sich überwiegend in den 2er und 4er Takten, gelegentlich mal ein 6/8 wie in der Cavalaria, deren Warnfunktion dadurch noch erhöht wird.

Je nach Fortgang des Jogo kann das Tempo von sehr langsam bis sehr schnell variiert werden.
Die hier vorgestellten Toques wurden bei allen Mestres und Academias und deren Schülern übereinstimmend gefunden. Dennoch gehen manchmal die Meinungen darüber auseinander, ob z.b. Jogo de Dentro ein Toque sei oder nicht, und das ist wiederum auch vom Alter der Capoeiristas abhängig.


"The generous 19 tracks on the album still allow for plenty of authentic toques, there are excellent and copious sleeve-notes, and overall this album can only contribute to a booming Euopean interest in capoeira." Songlines

"This album is both challenging and a lulling delight to hear...Recommended!" Slipcue.com

"Ein beeindruckendes Mini-Kompendium über den globalen Siegeszug der Disziplin Capoeira und für ihre zahlreichen deutschen Jünger zweifellos eine Referenzsammlung." Blue Rhythm

"Faszinierend!" Folker

"Eine wirklich spannende Begegnung von Worldmusic, Jazz und Dancefloor!" Amazon.de

"Empfehlenswert!" Vamos

© 2001 by Claus Schreiner All rights reserved


 
 
 
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