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Booklet mit
allen Liedtexten in englischer Übersetzung
Die
neue CD entstand diesmal in den Studios der Fugees in New Jersey (USA). 'Revolisyon!
ist eine Art Unabhängigkeitserklärung von Boukman Eksperyans, die in
zurück in Haiti von neuer Hoffnung Inspiration erfüllt wurden und nun
gleichzeitig die bisherigen Mizik Rasin Grenzen durchbrechen, indem z.B.
auch englische Texte und japanische Volksmelodien aufgenommen werden.
Vor zweihundert Jahren war die Saat der französischen Revolution in der Kolonie
Haiti unter Trommeln und Gesang in den Opferschalen des Vodou unter der Leitung
des Houngan Boukman Jetty aufgegangen. Selbst nach der 1803 errungenen Freiheit,
der ersten Sklavenbefreiung in der Neuen Welt überhaupt, sind die Rufe nach
Liberté, Egalité und Fraternité bis heute in Haiti nicht
verstummt. Sie heute so berechtigt wie damals, als kreolische Sklaven als
Freie die Macht der ehemaligen Kolonialisten über die weniger privilegierten,
nach Hautfarbe, Herkunft, Vorbesitzer und sozialem Umfeld abgestuften ehemaligen
Sklaven übernahmen. Der Vodou als synkretistische Volksreligion blieb dabei
bis heute soziale, kulturelle und spirituelle Heimat besonders der Armen und Besitzlosen.
Mieden die katholischen Padres früher in Brasilien, Kuba oder Haiti das vorwiegend
von schwarzen Sklaven und ihren Kulten beherrschte Hinterland, weil es des Teufels
sei, müssen sich heute haitianische Musikgruppen wie Boukman Eksperyans von
den schwarzen Bürgerelite der Insel sagen lassen : 'You play the music of
the Satan. Folgerichtig nahm Haitis Blutsauger Papa Doc Duvalier wohl auch
die Dienste von Vodou Priestern in Anspruch. Daß Lolo Beaubrun die meisten
Haitianer indes heute immer noch für Sklaven hält, denen man die Sklaverei
nur physisch aber nicht im Innern genommen hat, liegt nicht an den Vodou Priestern,
sondern an den mörderischen Unterdrückungsmethoden der Duvaliers, ihrer
Vorgänger und Nachfolger.
Unter die Zeiten des 'Baby Doc Duvalier und seiner sonnenbebrillten Tonton
Macouts fallen die Anfänge der Gruppe Boukman Eksperyans, deren Gründer
Lolo Beaubrun und seine Frau Mimerose sind. Der Vater von Lolo (Theodore) ist
eine Art haitianischer Bill Cosby , ein Comedien mit sozial-satirischer Sprache,
der auch in den USA gastierte und, so erinnert sich Lolo, eines Tages eine LP
von James Brown mitbrachte, die großen Einfluß auf ihn nahm. Nach
der Trennung der Eltern, folgten die Kinder der Mutter nach Brooklyn/USA, Lolo
studierte zwei Jahre Business administration in den USA.
Als Lolo 1978 zurück nach Haiti kam, waren die als minidjaz bands firmierenden
Bands der ersten Roots-Music-Fusion Bewegung (Nikol Levy, Bossa Combo u.a.)
am Werkeln, wobei sie aber auf zeitbezogene kritische Texte keinen besonderen
Wert legten. Im Gegenteil, der Bossa Combo hatte man, wie anderen Topbands vorher,
eine gewisse Nähe zu den Duvaliers nachgesagt.
Mit Lolo und Mimerose erlebte das starke afrikanische Element in Haitis Kultur
(nach den gegensätzlichen Negritude-Thesen Senghors und Fanons ) eine neue
Aufwertung von innen heraus. Was lag näher als roots-music mit Vodou
zu verbinden? Lolo und Mimerose aber schwebte damals eine Verbindung auf noch
anderer Ebene vor: die großen Weltreligionen sollten sich gemeinsamer Strukturen
besinnen und dann eine Liaison mit dem Vodou eingehen. Globaler Synkretismus.
Lolos Großvater war ein großer Kenner des Vodou, doch für die
Eltern war dies kein Thema, und so gingen Lolo und Mimerose 1978 erst einmal in
einen berühmten Vodou lakou-s, eine Art spiritueller Kibbuz haitianischer
Prägung, in dem sie Musiker und Sänger trafen und einen Einblick in
die afrikanische Kultur Haitis bekamen, wie sie von den aus Afrika verschleppten
Angehörigen verschiedener Stämme (nanchon-s) überliefert war. Sie
gründeten eine Gruppe, um Vodou Musik zu studieren, gaben ihr den Namen Moun
Ife (People of the abode of deities) mit der sie dann Mitte der achziger Jahre
auch als Live-Act auftraten. Zum roots-Instrumentarium kamen elektroakustische
Instrumente dazu, wie Bass, zwei Gitarren, gespielt u.a. von Eddy Francois und
Daniel 'Dady Beaubrun, Lolos Bruder, und damals Chefarrangeur der Band.
1985 entstand der Name BOUKMAN EKSPERYANS, in Anlehnung an jenen Vodou-Priester
des 18.Jahrhunderts und den Hohepriester der Rockmusik Jimi Hendrix. Lolo : 'Ich
hörte Hendrix und Santana, aber es war Bob Marley ,der mich zum Denken brachte.
Als ich ihn um 1976 hörte, entschied ich, daß ich etwas ähnliches
wie das in Jamaika in Haiti machen könnte, mit dem Vodou. Boukman Eksperyans
ist seit Anbeginn über die Begegnungen der Beaubruns mit den tiefen
afrikanischen Stammeswurzeln in der Gemeinschaft des lakou der Vodou Linie 'Ginen
(Guinea) verbunden. Sie nennen es 'Vodou adjaye nach dem gleichnamigen
Tanz im Tempel (peristyle) im Anschluß an die Zeremonien. Dies war auch
der Titel ihrer ersten LP. Afrikanische Trommeln ertönen zu engelsgleichen
Chören, sowie Rara-Riffs des Carnival, Vodou-Gesängen, eingewoben in
die moderne Elektronik der Rock Generation.
Boukman Eksperyans sind zusammen mit Foula, Ram oder Rara Machine Vertreter der
neuen Mizik Rasin, Wurzelmusik mit afrikanischer Betonung. Gage Averill , ein
profunder Kenner und Chronist der modernen haitianischen Popmusik charakterisiert
Mizik Rasin in seinem Buch 'A Day for the hunter:
What one discovers in the music and sloganeering of this period is a complex web
of intertextual references, connection commercial popular music to campaign songs,
mottoes, slogans, and proverbs. This is a reflection of the shift in popular music
that occurred near the end of the Duvalier dictatorship as commercial musicians
adopted angaje political stances and roots oriented sound structures and a reflection
of the power of these sings to reach the population.
Nach vielen Auftritten in den Kneipen der Vorstädte Petionvilles gewann Boukman
Eksperyans 1989 den 3eme Konkou Mizik (Popmusikwettbewerb) mit einem Rara-Rock
Titel 'Pra chenn wet denn
GET ANGRY, REMOVE THE CHAINS
BREAK THE CHAINS THAT KEEP US FROM UNITING:
SO THAT WE CAN WEED OUT OUR HOMES...
EVER SINCE AFRICA, WEVE BEEN SUFFERING
ITS SO MUCH HARDER HERE...
Ein Jahr später wurden sie noch berühmter als sie im Carnival ihr Lied
'Ke m pa sote präsentierten. Dieser Carnival 1990 war erst der zweite,
der nach 1985 gefeiert werden durfte und die Regierung gab sich verunsichert in
der Reaktion auf dieses Lied, das bald von fast allen Bands Haitis übernommen
wurde.
MY HEART DOESNT LEAP, IM NOT AFRAID
IM NOT AFRAID THIS YEAR
BOUKMAN IN CARNIVAL,IM NOT AFRAID
ADVANCE, DON'T FIGHT IN THE BAND
Musikalische Basis für dieses Lied war der Gesang für die Gottheit des
Krieges und die Bedeutung der Verse, daß selbst Gift denen nichts anhaben
könnte, die von Ogou Balendjo besessen seien. In Haiti reüssierte das
Lied als massive Attacke auf die Verhältnisse unter der herrschenden Regierung.
Als kurz nach Carnival ein junges Mädchen von den Militärs erschossen
wurde, wurde das Lied erst Recht einigendes Kampflied gegen die Regierung als
einer Bande von Betrügern und Idioten. Ende 1990 verließen drei Bandmitglieder,
unter ihnen Eddy Francois die Band um als Boukan Ginen eine eigene Truppe aufzubauen.
Kurz darauf stellte sich der Priester Jean Betrand Aristide zur Wahl und
aus KE M PA SOTE wurde kurzerhand der Wahlhelfer-song .KE-M PA SOTE AK TITID ,
wir haben keine Angst vor Aristide.
Die Entmachtung Aristides 1991 durch das Militär kommentierten Boukman Eksperyans
1992 abermals mit einem Song: KALFOU DANJERE (Gefährliche Kreuzungen)
LIARS, YOULL BE IN DEEP TROUBLE
AT THE CROSSROADS OF THE CONGO PEOPLE
O WOU O; THE CROSSROADS OF THE CONGO PEOPLE
WERE NOT DOING ANY KILLING
WERE NOT GOING TO PLAY THAT GAME
GINEN IS NOT BIZANGO.
Ginen (Guinea) ist nicht einer jener Geheimbünde, die sich aus Kolonialzeiten
erhalten hatten...
1992 erschien auf dem Mango Label die gleichnamige CD 'Kalfou Danjere, die
sich mehrere Wochen in den Billboard Worldmusic Charts halten konnte und für
den Grammy im gleichen Jahr nomiert war.
Für Boukman Eksperyans, deren Lieder schon Ende der 80er Jahre nicht in den
Radios Haitis gespielt werden durften, brachen in Haiti abermals schlechte Zeiten
an. Sie wurden noch nicht direkt bedroht, aber man riet ihnen: 'never go out at
night.
1993 unternahmen sie ihre erste große Nordamerika Tournee. Ein Jahr später
wurden die Militärs in Haiti deutlicher. In einem Konzert ließen sie
den Song Kalfou Danjere im Tränengas untergehen und rasselten tüchtig
mit ihren Waffen. Das amerikanische Embargo war u.a. in dieser Zeit auch an medizinischer
Unterversorgung der Bevölkerung mitschuldig., sodaß im Juni desselben
Jahres der Bassist und Perkussionist der Band Michel Oliche Lynch hilfelos an
Meningitis starb.
Boukman Eksperyans ging 1994 ins Exil nach Jamaika und nahm dort in Marleys Tuff
Gong Studios seine dritte LP auf :'Libeté. Eine geplante zweite Tournee
in den USA kam wegen der politischen Verhältnisse nicht zustande. Die
Band durfte nicht einreisen und ihre Gelder in den USA eingefroren.
Inzwischen sind Boukman Eksperyans wieder nach Haiti zurückgekehrt. Die neue
CD entstand diesmal in den Studios der Fugees in New Jersey(USA). 'Revolution
ist eine Art Unabhängigkeitserklärung von Boukman Eksperyans, die in
zurück in Haiti von neuer Hoffnung Inspiration erfüllt wurden und nun
gleichzeitig die bisherigen Mizik Rasin Grenzen durchbrechen, indem z.B.
auch englische Texte und japanische Volksmelodien aufgenommen werden.
Lolo sagte mal über den Vodou: Der Katholik geht zur Kirche um über
Gott zu sprechen. Der Vodou Anhänger tanzt im Hounfort um Gott zu werden
und meint hier den Moment in dem die Loas , die Geister in die Körper der
Medien schlüpfen. Die Mitglieder von Boukman Eksperyans zelebrieren noch
heute auch vor ihren Auftritten kurze Riten, denn die Kraft kommt von dort: Ayibobo! |