Luizinho de Gonzaga
Gonzaguinha
(Luiz Gonzaga jr.)

   

 
Für Brasilien-Kenner gehört er zu den ganz Großen der Musica Popular Brasileira: Gonzaguinha (Luiz Gonzaga jr.) Dies ist seine letzte und vielleicht persönlichste Produktion: Luizinho de Gonzaga
  

Gonzaguinha (Luiz Gonzaga jr.) - Luizinho de GonzagaLuizinho de Gonzaga entstand 1989, drei Monate nach dem Tod seines Vaters, des schon zu Lebzeiten legendären König des Baiao, Luiz Gonzaga - O Gonzagao. Es ist eine Liebeserklärung von Gonzaguinha an den großen Vater, an dessen vida do viajante (Leben eines Reisenden) eines cavaleiro solitario (einsamen Reiters):

Einsamer Reiter
Folgt seinem Stern
Und der Glaube an die Voraussagung der Visionen
Bewirkt das richtige Tempo und Wechsel
Verursacht die verrücktesten Reaktionen

Aus der Fülle von Liedern, die Gonzagao hinterlassen hat, wählte Gonzaguinha zwölf für dieses Album (z.T. in Zitaten) aus und nahm sechs neue eigene Lieder auf. Alle Lieder verbindet eine tief empfundene Liebe zu den Menschen, ihrer Heimat, ihren Festen, der sie umgebenden Natur und ihren Problemen. Gonzagao in der volksnahen Sprache seiner nordestinischen Texter H. Texeira und Z. Dantas, Gonzaguinha in sensibler Wandlung zwischen Einfachheit für Kinderohren (Guarda) und intellektueller Ironie (Avassaladora). In Gonzaga zeichnet er den Lebensweg seines Vaters nach, von dessen Weggang aus Exu bis zu seiner Beerdigung.

Gonzaguinha ist in Rio aufgewachsen, hat die unterschiedliche musikalische Basis von Vater und Sohn stets betont, aber schon früh auch der nordestinischen Musik seines Vaters in vielen Liedern seine Referenz erwiesen. Gonzaguinha drückt ihnen seinen musikalischen Stempel auf und der verändert nicht, sondern lässt viel Liebe spüren zum Lebenswerk seines Vaters. Gonzagao seinerseits, der Vollblutmusikant mit seiner Sanfona, hatte zu Lebzeiten nie den Kontakt zu den jungen Künstlern der Musica Popular Brasileira verloren und sich für die junge Musik begeistert. Er war schließlich in den 1960er Jahren für die Nach-Bossa-Nova-Generation ein großes Vorbild: Gilberto Gil, Edu Lobo und viele andere hatten einst mit dem Spielen der Sanfona angefangen.

Gonzaguinha ruft auf Luizinho de Gonzaga seine Kinder und Freunde zu einem großen Fest zusammen - zu Ehren des Gonzagao und der Menschen des Sertao: Asa Branca. Dieses Lied war stets poetischer Ausdruck der Hoffnung der Menschen dort, die unter Hungersnötigen, Dürrekatastrophen und Landvertreibung leiden. Jetzt ist es auch Programm.
  

Gonzaguinha (Luiz Gonzaga jr.)

„Gonzaguinha ist ein Wunder. Eine kleine Sache, die man hier inmitten der Gefahren der Großstadt (Rio) aufzieht und dann als einen voller Talente sich entwickeln sieht. Ich bete Luizinho an, als Menschen, als Sohn, als Bürger, als Komponist und Sänger, weil er ein ernsthafter Junge ist, ein Arbeiter. Er mag auch sehr meinen Arbeitsstil und ich denke, wir haben da Gemeinsamkeiten.“
Gonzagao zur Aufnahme von Vida Da Viajante

Luiz Gonzaga jr., geboren 1945 in Rio de Janeiro auf der Ilha do Governador. Erstes Instrument war die Gitarre, erste Komposition mit 14 Jahren, die von seinem Vater aufgenommen wurde. 1967 Student der Politikwissenschaften, 1968 mit Pobreza por pobreza unter den Finalisten des 1. Universitätsfestivals der MPB. Ein Jahr später Sieger des Festivals mit O Trem. 1970-71 weitere Festivalpreise. 1972 erste LP Comportamento Geral. 1976 größerer Erfolg mit der (4.) LP Comecaria tudo outra vez (Ich würde gern alles noch einmal beginnen). Es folgten viele weitere, ebenfalls erfolgreiche LPs und Tourneen im ganzen Land.

Stets war Gonzaguinha von der brasilianischen Zensur behindert worden. 1976 gab er an, dass 50 oder 52 Kompositionen bereits verboten worden seien. Bestimmte Fernsehsender und Konzertorte waren für ihn gesperrt.

„Es gab“, sagt Gonzaguinha, „einen Tag in meinem Leben, an dem sich eine Linie entwickelte. Aber diese Linie ist eine Spirale. Es gibt immer einen Punkt unter - oder über der Höhe, auf der die Linie begann, - entsprechend den Erfahrungen meines Lebens und den Dingen, mit denen ich lebe, die ich mache und an die ich glaube. Gründe, Wirkungen, Konsequenzen, Gegensätze. Den Samen pflanzen und ein neues Samenkorn ernten, das Frucht bringt.“

Ein Moleque (Straßenjunge) ist Gonzaguinha stets geblieben - trotz bemerkenswerter Sichtweisen von Brasilien, zwischenmenschlichen Probleme und Politik.

1990 erschien zum ersten Mal eine LP auch außerhalb Brasiliens. Gonzaguinha überlebte den bewunderten Vater nur für eine kurze Zeit. Luiz Gonzage jr. starb 1991 bei einem tragischen Autounfall.
  

Gonzagao (Luiz Gonzaga)

„Musik ohne Politik ist Disco und Disco ist vielleicht noch eine Marchinha (Marsch) ohne Geschichte. Musik muss Rasse haben, Forderung, sonst fällt sie in Vergessenheit. Sie muss politisch sein. Musik ist das Instrument des Volkes. Ohne Gewalt, auf eine schöne Weise... Meine Politik ist die Kunst der Liebe und das Singen für das Volk.“ Luiz Gonzaga

Geboren am 13.Dezember 1912 in Exu im Sertao, Sohn des Sanfoneiro Januario und der Novena-Sängerin Santana. Luiz Gonzaga lernte schon früh ebenfalls das Spielen des Sanfona, anfangs gegen den Widerstand der Mutter. 1930 verließ er Exu, ging zum Militär und kam 1939 über Sao Paulo nach Rio. Dort spielte er in den Bars die Modetänze jener Zeit, bis ihn Landsleute fragten, warum er denn nicht die Musik des Sertao spielen würde. Kurz darauf trat er zum ersten Mal im Radio mit dem Chamego Vira e meixe auf, eine erste Platte folgte.

1945 traf Luiz Gonzaga den gebürtigen Cearenser Humberto Texeira, der ihm die Texte zu den großen Erfolgen Asa Branca, Baiao, Juazeiro, Mangaratiba u.a. schrieb. Das Gespann Gonzaga/Teixeira machte den nordestinischen Baiao in kürzester Zeit in der Sambametropole Rio populär. Gonzaga war O Rei do Baiao, der König des Baiao bis zu seinem Tod und wird es darüber hinaus immer bleiben. Er war ständig unterwegs in ganz Brasilien, fand stets eine große Zuhörerschaft selbst im Süden Brasiliens, wohin sich viele nordestinische Landarbeiter wegen der Nöte in ihrer Heimat geflüchtet hatten. Er nutzte jede Gelegenheit, nach Exu zurückzukehren. Dort fand Luiz Gonzaga auch seine letzte Ruhe, nachdem er am 2.8.1989 in Recife gestorben war.
  

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